UNGER-UNS in der Presse

Die Kölnische Rundschau respektive die Bergische Landeszeitung hat heute ein Gespräch im Vorfeld der nächsten Konzerte UNGER-UNS veröffentlicht. Wir freuen uns riesig…

„Songs wie am Lagerfeuer“
Wie zwei „Höhner“ und ein Manager einen Geheimtipp aus der Taufe gehoben haben

Ein für ihre Verhältnisse winziger Saal, ein ganz direkter Kontakt zum Publikum und auf dem Set ausschließlich Songs, die ihnen selbst Spaß machen – die Musiker Jens Streifling und Hannes Schöner von den Höhnern und der Marketingmanager Thomas Mersch (s.e.m.4u) haben mitten in Bergisch Gladbach ein außergewöhnlich intimes Geheim-Konzert-Format entwickelt, das bereits Künstler wie Klaus Lage und Publikum aus ganz Deutschland sowie aus dem benachbarten Ausland in die alte Heidkamper Kirche (Kultursaal) gelockt hat. Unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit, gab’s die Karten bislang ausschließlich durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Vor den nächsten Konzerten in der kommenden Woche hat Guido Wagner mit den Initiatoren des Projekts „Unger uns“ gesprochen.

Was reizt Musiker, die in ganz Deutschland vor ausverkauften Hallen und Arenen mit zigtausend Zuschauern spielen, vor 200 Gästen in einem bestuhlten Pfarrsaal aufzutreten?
Schöner:
Da sitzen Leute, die wie wir einfach Interesse an Musik haben. Bei „Unger uns“ können wir Dinge ausprobieren, die mit den Höhnern so nicht machbar wären. Wenn wir Klassiker von Bob Dylan bis zu den Beatles in unserer Interpretation spielen, dann ist das wie eine Session in einer Kneipe. Für uns ist das so was wie ein Ausgleichssport zu den großen Touren.

Also nicht die „Höhner“ in kleiner Besetzung?
Streifling: Nein, etwas komplett anderes. Wir bringen unsere Lieblings-Songs auf die Bühne, die wir aber nicht eins zu eins covern, sondern sagen: Lass und unsere eigene Version davon machen, akustisch, unplugged.
Schöner: Wir beide einfach feiern einfach gerne und greifen auf diesen Feiern abends häufig noch zur Gitarre, um dann all das zu singen, was man so üblicherweise am Lagerfeuer singt. Das Konzept von Schöner/Streifling ist im Prinzip eine Verfeinerung von Lagerfeuer-Musik.

Wie ist die Idee zu dem Konzept von „Unger uns“ entstanden?
Mersch:
Irgendwann mal spontan bei einem Bier mit Jens. Wir sind uns schon vorher mal zufällig an einer Bar begegnet, da war er noch bei BAP. Und als wir uns dann Jahre später wiedertrafen, konnte er sich noch genau an die Situation erinnern. Ich komme ja eigentlich gar nicht aus der Musikbranche, aber bei dieser Idee waren wir einfach alle drei auf einer Wellenlänge. Das ist eine Herzblut-Geschichte. Wir wollten etwas Besonderes daraus machen. So klein, das man aus der letzten Reihe noch die Instrumente stimmen kann . . .

Warum ausgerechnet mitten in Bergisch Gladbach im Heidkamper Kultursaal?
Mersch:
Es gibt nicht viele Säle wie diesen, außerdem wohne ich in Refrath und Martin Großbach, der den Pfarrsaal betreut, hat sich auch sehr engagiert.

Was verbindet die Macher dieses intimen musikalischen Events?
Mersch:
Eigentlich haben wir uns schon seit Kindertagen gekannt (lacht). Hannes hat mir früher schon die Milchflasche gegeben, denn seine Schwester Wilma war unsere Nachbarin. Und über den Jens haben wir uns dann wieder getroffen, viel später.

Schöner: Wir haben auch einfach denselben Musikgeschmack und Lust, was Neues auszuprobieren. Jens und ich sind zum Beispiel neulich an einem Off-Tag der Tour mit der Höhner-Roncalli-Show in Kassel nicht wie die Kollegen zurück nach Köln gefahren, sondern dort in ein Konzert gegangen: Da trat der Liedermacher Philipp Poisel auf, ein junger Typ, von dem zumindest ich vorher noch nix gehört hatte. Und dann hat dieser Mensch mit seinen Liedern Zehntausende in einem Stadion mitgerissen. Wir waren uns direkt einig: So muss man das machen.
Streifling: Auf Deutsch würde man sagen: Hosen runter – man bekennt sich zu seinen Themen. Solche Lieder haben wir auch für die Konzerte nächste Woche in Heidkamp ausgewählt, ob das nun Stoppok ist oder Poisel. Das sind Songs, die uns bewegen, und die wir versuchen zu interpretieren.

Das heißt, man lernt auch die Menschen hinter der Musik kennen . . .
Schöner:
Auf jeden Fall. Wir haben ja auch ganz unterschiedliche Vergangenheiten. Jens kommt ja aus der ehemaligen DDR. Und die Liederkultur im Osten war natürlich sehr speziell, sehr eigen.

Inwiefern?
Streifling:
Texte mussten immer so geschrieben werden, dass sie abgenommen wurden, aber trotzdem die Message zwischen den Zeilen hatten. Das war die große Herausforderung für die Liedermacher.

Schöner: Wie wir heute wissen, hat uns diese Liedermachertradition sehr nachhaltig beeinflusst, wenn man zum Beispiel an Clueso denkt, um nur ein Beispiel zu nennen. Weil die ne ganze Strecke lang nicht die Chance, englischsprachige Titel auf die Bühne zu bringen, ist in der DDR eine sehr vielfältige Liederkultur in deutscher Sprache entstanden, die wir hier im Westen gar nicht so entwickelt haben.

Und was lernt man von dem Musiker mit West-Biographie?
Schöner:
(Grinst) Auch bei mir gibt es ein Leben vor den Höhnern, angefangen von verschiedenen Jazz-Rock-Bands in den 70er Jahren, dann habe ich Anfang der 80er Jahre Pop-Schlager gesungen, Mitte der 80er in einem Projekt mit einem Partner Disco-Musik gemacht, und ich habe immer schon Songs für andere geschrieben – für die Lords, aber auch für Schlagersänger. Jens ist jetzt seit zehn Jahren bei den Höhnern, und wir haben uns da gesucht und gefunden: Wir fühlen uns beide handgemachter Musik sehr zugeneigt, akustischer Musik. Deshalb verzichten wir auch bei Schöner/Streifling auf E-Gitarren und machen ein akustisches Set – mit brillanten Begleitmusikern. Wir sind sehr froh, da mit Wolf Simon und Gero Körner zusammenspielen zu können.

Wird das Ihr zweites Standbein neben den Höhnern?
Schöner:
Überhaupt nicht. Das ist keine Konkurrenz. Die Höhner sind unsere berufliche Priorität. Das hier machen wir in unserer Freizeit. Mit den Höhnern spielen wir im Karneval 13 Mal in der Köln-Arena. Das ist ein gigantisches Publikum. Aber die Musik und der Rahmen, in dem wir uns da darstellen, ist natürlich formatiert und damit irgendwo auch limitiert. In dem kleinen, intimen Rahmen wie in Bergisch Gladbach kann man auch ganz andere Sachen auspacken. Wir nehmen auch Nummern aus dem Jazz-Rock-Bereich und improvisieren die aus. Es gibt da auch ein Schlagzeug-Solo, ja sogar auch ein Bass-Solo. Musikalische Spielchen, die in ein straightes Konzertgeschäft nicht reinpassen, die aber auch auf die Arbeit bei den Höhnern zurückwirken . . . 

Streifling: Wenn wir zum Beispiel so einen Udo-Lindenberg-Song spielen, da kommen einem neue textliche Ideen, neue musikalische. Wir bleiben da auch als Höhner nie stehen.

Mit den „Höhnern“ nehmen Sie gerade ein neues Album auf. Gibt es beim „Unger uns“-Konzert in Bergisch Gladbach auch eigene Schöner-Streifling-Songs zu hören?
Streifling:
Ja, es gibt einige, die wir zusammen geschrieben haben und die es nicht auf eine Höhner-Platte geschafft haben, die uns aber einfach am Herzen liegen.

Schöner: Das ist bunt gemischt. Von Bob Dylan bis zum Lied „Unsere LPF hat hundert Gänse“. DDR-Vergangenheit, die wir in neuem Gewand bringen. Und im Set kommen dann auch Höhner-Nummern vor. Ebenso eine Mitsing-Abteilung – eben wie am Lagerfeuer.
Mersch: . . . und geht dann bis zu aktuellen Charts.
Schöner: Na, wenn sie sich als Mitsing-Song anbieten . . .

Gab es etwas, das Sie bei den vergangenen Konzerten des Projekts besonders beeindruckt hat?
Mersch:
Jens hat letztes Jahr ein Stück gespielt, das beschreibt, wie er die DDR verlassen hat. Da war es in dieser ehemaligen Kirche mucksmäuschenstill. Und Klaus Klage hat bei seinem Konzert im September plötzlich im letzten Stück lachen müssen, aufgehört und noch mal mittendrin neu angefangen, weil etwas nicht gepasst hatte. Im Prinzip war der „Fehler“ das Highlight des Abends, weil die Leute einfach gemerkt haben: Die wollen hier was machen. Wir machen das alle, weil wir Lust darauf haben.

INFOKASTEN:

Karten für die nächsten Konzerte

Karten für die beiden nächsten „Unger uns“-Konzerte mit Hannes Schöner, Jens Streifling und Freunden am Montag, 16. Dezember, und Dienstag, 17. Dezember, jeweils um 20 Uhr (Einlass: 18 Uhr) im Heidkamper Kultursaal am Lerbacher Weg 2 sind zum Preis von 39 Euro per E-Mail unter sem4u@unger-uns.de oder via Facebook www.facebook.com/sem4u.koeln erhältlich. Weitere Infos im Internet unter: www.unger-uns.de

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