Musik, die unter die Haut geht

Guido Wagner, Chefredakteur der Bergischen Landeszeitung fasst unser nunmehr fünftes UNGER-UNS Konzert zusammen. Danke dafür von unserer Seite.

RHEIN-BERG
Musik, die unter die Haut geht

Schöner, Streifling und Freunde faszinieren mit intimem Konzerterlebnis

Von GUIDO WAGNER

HEIDKAMP. „Du bist vom selben Stern… wie ich“, klingt es aus der früheren Kirche am Lerbacher Weg. Nein, das sind nicht „Ich + Ich“, die da im Heidkamper Kultursaal auf der Bühne stehen, sondern zwei Musiker der Höhner mit hochkarätiger Verstärkung, die untereinander und mit ihrem Publikum vor allem eins verbindet: der Spaß am Musikmachen – wie am Lagerfeuer. Unverstellt, ohne großen Schnick-schnack und gerade heraus.

So hatten es Hannes Schöner und Jens Streifling schon im BLZ-Interview angekündigt und damit – was ihre Spielfreude anging – keineswegs untertrieben. In punkto Ambiente aber gleichwohl: Der solide Kultursaal war kaum wiederzuerkennen und keinesfalls von schlichter Lagerfeueratmosphäre, sondern eindrucksvoll mit Licht inszeniert, dekoriert und mit einer Bühnentechnik ausgestattet, die jeden der 200 Besucher hautnah dabei sein ließ.
Gleich zweimal füllten „Schöner, Streifling und Freunde“ diese Woche die Heidkamper Kulturstätte, die schon am Eingang mit einer charmanten Begegnung von Reibekuchen und rotem Teppich aufwartete. Letzteren haben die Initiatoren freilich für die Gäste ausgerollt. Denn die stehen beim von Thomas Mersch zusammen mit Streifling und Schöner initiierten In-Konzerte-Projekt „UNGER-UNS“ auf Augenhöhe mit den Musikern.

„Harte Zeiten“ ist einer der ersten Titel – eigentlich für die Höhner geschrieben, aber dort nicht auf Begeisterung gestoßen. Hier zeigen Bassist Schöner und Multiinstrumentalist Streifling an der zwölfsaitigen Akustikgitarre, was dennoch drinsteckt in dem Song, wechseln im Nachspiel elegant über ein Lick in den Beatles Song „Norwegian Wood“ – wie am Lagerfeuer eben.
Damit die Musikfreunde vis-à-vis mitsingen können, werden die Texte über der Bühne eingeblendet. Ob Dylans „It’s all over now, Baby blue“, Lindenbergs „Cello“ oder Leonhard Cohens „Halleluja“ – immer wieder wächst die Band auf der Bühne um einen vielstimmigen Chor in den Stuhlreihen und an den Stehtischen an. Dabei interpretieren Schöner und Streifling mit ihren kongenialen Begleitern Wolf Simon (Schlagzeug), Gero Körner (Tasten) und Hermann Heuser (Akustikgitarre) jeden Song neu, loten von Rock bis Blues eine große stilistische Bandbreite aus – und wissen immer wieder zu überraschen. Nur ja keine falschen Erwartungen erfüllen: Das gilt auch für den Anfang von „Hey Kölle“, der unvermittelt in „Hey Jude“ von den Beatles mündet.

Fortsetzung für den Frühling geplant

Streifling zeigt sich an Gitarre und Blues Harp ebenso zu Hause wie an der Mandoline oder seinen Saxofonen. Und: Er gibt wie sein Höhner Kollege Einblicke in sein Leben. Etwa mit dem Lied „Als ich fortging“: „Das war der Soundtrack für die Zeit, als ich vor 25 Jahren aus der DDR ausgereist bin – kurz vor der Wende.“ Unwillkürlich ein Gänsehaut-Garant.

Bereits fürs nächste Frühjahr planen Thomas Mersch und die zahlreichen Unterstützer, die das Erlebnis „UNGER-UNS“ von der Technik bis zum Catering erst ermöglichen, eine Fortsetzung. Für das Publikum ein Trost beim Abschied – am Ende eines Abends, der unter die Haut ging.

www.unger-uns.de

FOTO-UNTERSCHRIFTEN IM ARTIKEL:

„Unger uns“: Hannes Schöner (l.) und Jens Streifling (3.v.l.) Auge in Auge mit dem Publikum, verstärkt
von (v.l.) Gero Körner, Hermann Heuser und Wolf Simon. (Foto: Wagner)